Kritik
Renate Welsh nach der Premiere beim Schlussapplaus, 15.4.2026
Ihr habt die Johanna, die für mich immer noch lebendig ist, noch lebendiger gemacht. Ich finde es großartig, vielen Dank. (...) Ihr wart's unglaublich toll!
Puzzlestück einer Biografie. In „Die alte Johanna“ kehrt Renate Welsh zur Protagonistin ihres Romans „Johanna“ zurück. Von der Schufterei auf dem Hof über die NS-Zeit bis ins Alter schildert die österreichische Autorin die Geschichte eines Kindes, das sich vom Rand in die Mitte der Gesellschaft kämpft. Nicole Metzger adaptiert den Stoff im Theater Spielraum zügig und jongliert Tragik mit ulkiger Komik. Fanny Fuhs, Mara Christine Koppitsch und Brigitte West schwingen synchron die Besen, ehe sie sich aufspalten: in die junge Johanna, jene in der Lebensmitte und die alte. Die Zeitebenen purzeln durcheinander und vereinigen sich zu einer starken Frauenbiografie, die politische Entwicklung Österreichs schwelt stets im Hintergrund. - Empfehlung!
Faszinierend läßt Regisseurin Nicole Metzger Geschichte erleben. Wie Momentaufnahmen wird diese ins Geschehen verwoben. (...) Drei Schauspielerinnen verkörpern die Titelfigur. (...) Ein denkwürdiger Abend, der vorführt, dass auch in schlimmsten Zeiten ein besseres Leben möglich ist.
Kurier-Wertung: **** (4 von 5 Sternen)
... toll war das .... Im Buch, wie auch in der Dramatisierung, der Inszenierung und im Spiel, entsteht ein unglaublich dichtes Sittengemälde, das mir in den Grundstrukturen noch immer keineswegs überwunden scheint, jedenfalls nicht völlig. ... ein faszinierender Abend.
Ein harsches Frauenschicksal aus gar nicht so ferner Vergangenheit ... Mit faszinierend einfachen Mitteln hat Nicole Metzger diese in ihrer Art besondere Biografie ergreifend umgesetzt.
Vom Niemand zum Jemand - unbedingt ansehen! (...) Applaus bei der Premiere am 15. April mit einer gerührten Autorin Renate Welsh im Publikum, die Johanna vor dem Vergessen bewahrt hat. Nicole Metzgers Bühnenfassung stellt das Frauenschicksal in den Mittelpunkt - das Theater Spielraum ist dabei ein Garant für Inszenierungen, die nahegehen (bitte weiter so!). Entstanden ist ein wertvoller Beitrag gerade für spätere Generationen (...) Daher auch unbedingte Empfehlung für Schulklassen!
Eine ewig Kleingemachte lässt sich nicht klein kriegen. Meisterinnenhaftes Zusammenspiel in „Die alte Johanna“ ...Präzise, aber nicht technisch wie ein Uhrwerk, sondern empathisch, menschlich, mitfühlbar verkörpern die drei Schauspielerinnen die von Renate Welsh in ihrem gleichnamigen Roman ... porträtierte Frau. ... Die knapp mehr als 1¼-stündige, dichte – und doch Luft zum Atmen lassende – Inszenierung, deren Text praktisch ausschließlich aus Passagen aus dem Roman – und seinem Vorwort – besteht, besticht nicht zuletzt durch die Gleichzeitigkeit der drei Figuren als unterschiedliche Lebensphasen ein und derselben Person. ...
Szenenfoto aus "Die alte Johanna" nach Renate Welshs Roman im Theater Spielraum (Wien-Neubau)
Barbara Pálffy
Szenenfoto aus "Die alte Johanna" nach Renate Welshs Roman im Theater Spielraum (Wien-Neubau)
06.05.2026
Eine ewig Kleingemachte lässt sich nicht klein kriegen
Meisterinnenhaftes Zusammenspiel in „Die alte Johanna“ nach Renate Welshs Roman im Theater Spielraum.
Dass in kleine(re)n Theater, die über kein großes Ensemble verfügen, Schauspieler:innen mehrere Rollen übernehmen müssen, auch in großen Häusern solches mitunter bewusst eingesetzt wird, ist üblich. Was aber im Theater Spielraum in er Wiener Kaiserstraße in „Die alte Johanna“ passiert, ist besonders bemerkenswert: Die Titelfigur in ihren verschiedenen Lebensphasen ist auf drei Schauspielerinnen aufgeteilt, aber nicht durchgehend, sondern wechselhaft.
Was vom Programmheft und damit der Papierform nach ein wenig verwirrend wirken mag, lösen aber Brigitte West (alte Johanna / auch Johannas Mutter), Christine Koppitsch (mittlere Johannna und noch Tochter Martha und weitere Rollen) sowie Fanny Fuhs (junge Johannna und weitere Rollen) in der Inszenierung von Nicole Metzger meisterinnenhaft.
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Exemplarisches Frauenleben
Präzise, aber nicht technisch wie ein Uhrwerk, sondern empathisch, menschlich, mitfühlbar verkörpern die drei Schauspielerinnen die von Renate Welsh in ihrem gleichnamigen Roman (2021 als Art Fortsetzung und Weiterschreibung ihres ursprünglich als Jugendbuch verfassten Romans „Johanna“, 1984) porträtierte Frau. In dieser Lebensgeschichte einer realen Frau arbeitet die bekannte Schriftstellerin aus den echten, authentischen Erlebnissen einer Nachbarin des niederösterreichischen Wochenendhauses Vieles heraus, das exemplarisch für Schicksale vieler Frauen, besonders aus sozial (sehr) benachteiligten Verhältnissen charakterisierte. Und dazu verwebte Welsh noch fast beiläufig Zeitgeschichtliches wie Nazidiktatur und in erwähnten Nebenfiguren Mittäter, die auch in der zweiten Republik Karriere machten.
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Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Lebensalter
Die knapp mehr als 1¼-stündige, dichte – und doch Luft zum Atmen lassende – Inszenierung, deren Text praktisch ausschließlich aus Passagen aus dem Roman – und seinem Vorwort – besteht, besticht nicht zuletzt durch die Gleichzeitigkeit der drei Figuren als unterschiedliche Lebensphasen ein und derselben Person. Besonders sicht- und spürbar in manch auffälligen Szenen. Bei der Erinnerung an erste zarte Verliebtheit und einem Wangenkuss der alten Johanna an den Mann. Oder bei einer Ohrfeige, die das Kind an einer Ecke der Bühne angedeutet kriegt und es ganz entfernt am anderen Ende klescht.
Die verschiedenen Männerrollen – Ehemann Peter / Sohn Thomas / Knecht Ferdl / Filialleiter – bzw. Gemeindearzt / Lehrer / Lahnhofer / Verwandtschaft / Der Tod / übernehmen Simon Brader und Adrian Stowasser. Wuchtig steht in einer Ecke ein Teil eines Dachstuhls. Eine – realisierte – Idee der Bühnenbauer J-D und Sam Schwarzmann. „So was musste sein“, sagen sie im Gespräch nach der Premiere und über eine Online-Plattform haben sie dann einen solchen auch aufgetrieben. Der steht aber nicht nur dekorativ in der Ecke, sondern wird immer wieder auch bespielt. Für die passenden Kostüme sorgte – wie (nicht nur) in diesem Theater praktisch immer Anna Pollack.
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Lernen wichtiger als Besitz
Das Spannende an Roman und auch der Inszenierung ist, dass die Johanna aber trotz aller Diskriminierung, Benachteiligung – „viel zu lange viel zu viel gefallen lassen“ – und trotz des überbordenden Kleinmachens durch andere, ihre Würde bewahrt, sich nicht klein kriegen lässt. Deswegen war sie nach der Schulpflicht weggegangen, „im Glauben daran, dass etwas lernen vielleicht so gut wäre wie etwas haben…“
Bei der Premiere wirkte übrigens ein kleines technisches Missgeschick – als die drei Johannas zu Beginn im gleichen Takt mit ihren Besen kehren und darüber sinnieren, fielen zwei Mal Besen von der Stange – als wäre es ein szenischer Protest gegen dieses ewige kehren müssen; noch dazu wo das englische „care“ (Sorge, Pflege) akustisch ähnlich klingt 😉
Schriftstellerin Renate Welsh applaudiert den Schauspieler:innen
Heinz Wagner
Applaus von Autorin Renate Welsh für die Leistung der Schauspieler:innen und des gesamten Teams der Inszenierung nach ihrem Roman „Die alte Johanna“…
Schriftstellerin Renate Welsh applaudiert den Schauspieler:innen
Heinz Wagner
Verbeugung des Teams - auf und hinter der Bühne
Heinz Wagner
Verbeugung des Teams - auf und hinter der Bühne
Heinz Wagner
Verbeugung des Teams - auf und hinter der Bühne
Heinz Wagner
Verbeugung des Teams - auf und hinter der Bühne
Heinz Wagner
Verbeugung des Teams - auf und hinter der Bühne
Heinz Wagner
Verbeugung des Teams - auf und hinter der Bühne
Heinz Wagner
Verbeugung der Schauspieler:innen
Heinz Wagner
Verbeugung der Schauspieler:innen
Heinz Wagner
Verbeugung der Schauspieler:innen
Heinz Wagner
Verbeugung der Schauspieler:innen
Heinz Wagner
Gegenseitiger Applaus des Teams und die Schriftstellerin
Heinz Wagner
Gegenseitiger Applaus des Teams und die Schriftstellerin
Heinz Wagner
Gegenseitiger Applaus des Teams und die Schriftstellerin
Heinz Wagner
Gegenseitiger Applaus des Teams und die Schriftstellerin
Heinz Wagner
Gegenseitiger Applaus des Teams
Heinz Wagner
Gegenseitiger Applaus des Teams
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Gegenseitiger Applaus des Teams
Heinz Wagner
Gegenseitiger Applaus des Teams
Heinz Wagner
Gegenseitiger Applaus des Teams
Heinz Wagner
Nicole Metzger (Regisseurin) und Renate Welsh (Autorin)
Heinz Wagner
Theater-Co-Leiterin Nicole Metzger, die den Roman von Renate Welsh (rechts) dramatisierte und inszenierte…
Nicole Metzger (Regisseurin) und Renate Welsh (Autorin)
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Lob der Autorin
Die Premiere wurde übrigens geadelt durch die Reaktion der Autorin Renate Welsh, die dem Team heftig Applaus spendete, auf die Bühne kam, sichtlich erfreut und bewegt war, mit den Worten: „Ihr ward’s unglaublich toll, ihr habt die Johanna, die für mich immer noch lebendig ist, noch lebendiger gemacht!“ Und danach sagte sie zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… : „Vor allem hab ich erlebt, dass die alle großartig miteinander gespielt haben, immer aufeinander eingegangen sind.“